Flugzeugabsturz Germanwings über Frankreich

March 26, 2015  •  Kommentar schreiben

Schrecklich. Grauenvoll.

Und genau deshalb frage ich mich, wie wir eigentlich mit dem Schrecken und dem Grauen solcher und ähnlicher Katastrophen umgehen. Und ob wir, und wie wir Abstufungen des Grauens vornehmen. Ob ein "gleiches" Ereignis ungleiche Intensität oder ungleiche Arten des Grauens hervorbringt.

Was ich meine, läßt sich an einem Gedankenexperiment erklären. Es kam zu einem Flugzeugabsturz mit 150 Toten. Zuerst war von einem technischen Versagen oder von einem Pilotenfehler die Rede. bzw. eine Verknüpfung beider. Das war schrecklich und wurde so auch oft zum Ausdruck gebracht. Heute Mittag stellte es sich - mit großer Wahrscheinlichkeit, aber noch ohne völlige Sicherheit - heraus, daß der Co-Pilot den Absturz wohl absichtlich selbst herbeigeführt hatte. Nun sprachen viele Menschen davon, dies sei "noch schrecklicher" als ein bloßes technisches Versagen. Es ist mir nicht ganz klar, warum genau dies so sein soll - immer noch haben 150 Menschen ihr Leben verloren, wenn auch aus einem sehr anderen Grund. Und einzelne Radiohörer waren umgekehrt der Meinung, daß die schuldhaffte Absicht der Co-Piloten sie doch "erleichtere", da nun "wenigstens die Technik funktioniert" habe. Stellen wir uns nun vor, das gleiche Flugzeug wäre durch einen Terrorakt (etwa eine Bombe)  zerstört worden, oder durch eine - irrtümlich oder durch technischen Defekt abgeschossene Rakete eines NATO- oder russischen Kampfflugzeugs. Oder, die Germanwing Maschine wäre einfach spurlos verschwunden, so wie früher das Flugzeug der Malaysia Air auf dem Weg nach Peking.

In allen Fällen wäre die humanitäre Katastrophe genauso groß, jeweils 150 Menschen starben. Aber ich habe den Verdacht, daß die unterschiedlichen Ursachen und Abläufe für unsere Gesellschaft, für die Betroffenen, die Kommentatoren und Privatpersonen doch sehr unterschiedliche Bedeutungen haben würde. Daß das Grauen unterschiedlich in Intensität und Form wäre. Genau das macht mich etwas nachdenklich. Vielleicht sollten wir mehr darüber nachdenken, was genau bei uns zu Schrecken und Grauen führt, und warum - es scheint ja nicht nur oder primär an der Zahl der Opfer zu liegen.

 

Nachtrag, ein Tag später:

Nun möchte ich mir nicht vorstellen, der Co-Pilot wäre zufällig muslimisch gewesen. Die Spekulationen über einen islamischen Hintergrund seines Handelns wären sicher ins Kraut geschossen - wäre das Grauen so noch einmal vergrößert worden, oder hätten wir "es ja irgendwie geahnt"?


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