Islamkritik

January 12, 2015  •  Kommentar schreiben

Islamkritik? Was das wohl sein mag? Eine Unterabteilung allgemeiner Religionskritik? Eine Auseinandersetzung mit islamischer Theologie? Oder doch eine Kritik am Verhalten von Muslimen, unabhängig vom religiösen Gehalt? Alles das ginge ja in Ordnung, wäre wunderbar, genauso, wie eine entsprechende Kritik an Christentum, Judentum, Buddhismus, Geisterglauben, oder Wissenschaftsgläubigkeit gut und legitim sind. Menschliche Versuche des Weltverstehens oder der Welterklärung sind immer fehlbar, müssen immer zur öffentlichen Diskussion stehen. Das Denken und den öffentlichen Diskurs zu solchen Themen und zu solchen Fragen behindern oder unterbinden zu wollen, wäre unsinnig, falsch und reaktionär. Vielleicht sollte man bei solcher Kritik noch daran denken, gewisse Regeln halbwegs zivilisierter Umgangsformen zu beachten - Höflichkeit und wechselseitiger menschlicher Respekt tun nicht weh. Aber ansonsten: Kritik, Diskussion, Streit, Reflexion und Selbstreflexion sind gut und nötig. Das gilt noch mehr, wenn es nicht um Fragen der Theologie, der Spiritualität oder des Glaubens geht, sondern um menschliches Handeln, um Politik.

Alles das ist selbstverständlich, schön und gut.

Aber: Im Moment macht der Begriff "Islamkritik" eine Karriere, die nur noch bizarr genannt werden kann. SPIEGEL ONLINE titelt heute: "Leipzig: Islamkritiker dürfen nun doch Mohammed-Karikaturen zeigen". Und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (ebenfalls heute) meldet: "Lucke ermahnt Islamkritiker". Auch der WDR (heute, in der "Aktuellen Stunde") bezeichnet PEGIDA, LEGIDA und ähnliche Gruppen als "Islamkritiker". Die Tagesschau der ARD sprach (heute, 20 Uhr-Sendung) von PEGIDA als einer "islamkritischen Bewegung". Insgesamt hat der Begriff sich verbreitet wie die Schweinepest. Oder wie der Rinderwahnsinn, falls dieser sich schnell verbreiten sollte. Und das ist seltsam, weil das Problem mit diesen Gruppen ja nicht ist, daß sie "Kritik" äußern würden. Das Problem ist eben, daß sie Hetze betreiben, sich teilweise einer direkten Nazi-Sprache bedienen ("Volksverräter"), daß sie rassistische Gefühle schüren, um darauf ihre politischen Süppchen zu kochen. Oder dürfen wir auch HOGESA in Köln als eine besonders subtile Form der Religionskritik betrachten?

Nein, liebe Leute, die PEGIDA, LEGIDA, HOGESA und andere Truppen militanter Spießer sind nun wirklich keine "Islamkritiker". Es sind rassistische Hetzer und deren Mitläufer, und das ist etwas anderes. Oder wollen wir antisemitische Demagogen in Zukunft doch lieber "Judenkritiker" nennen? Das schiene mir doch ziemlich idiotisch. Rassismus und Hetze hat mit Kritik nichts zu tun.

 


Kommentare

Keine Kommentare veröffentlicht.
Wird geladen...